Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Felix Schiedlowski

Kontakt

Felix Schiedlowski, M.A.

Telefon: +49 345 55-24196

Raum 303
Reichardtstraße 11
06116 Halle

Sprechstunde: nach Vereinbarung

Postanschrift:
Felix Schiedlowski, M.A.
06099 Halle (Saale)

Weiteres

Login für Redakteure

Felix Schiedlowski, M.A.

Forschungsschwerpunkte

Transformationen - Wandel, Wenden, Brüche und Leerstellen in Politik und Gesellschaft

  • Post-fossile Gesellschaft: Strukturwandel im Mitteldeutschen Revier
  • Energiewende: Abwicklung der Braunkohle
  • Urbaner Wandel: Friedensprozess in Belfast, Nordirland

Forschungsregionen

Ostdeutschland (Mitteldeutsches Braunkohlerevier), Nordirland

PhD research
A world full of gaps: Phasing-down coal and the quest for a post-fossil society in Eastern Germany

Glück Auf, Bitterfeld, Juni 2020

Glück Auf, Bitterfeld, Juni 2020

Glück Auf, Bitterfeld, Juni 2020

Supervisor: Prof. Dr. Asta Vonderau (MLU, Erstbetreuerin), Assistant Professor Felix Ringel (Durham University, Zweitbetreuer)

Mit dem schrittweise eingeleiteten und spätestens 2038 vollzogenen Ausstieg aus der Braunkohleverstromung steht das Mitteldeutsche Revier vor einem tiefgreifenden Strukturwandel. Der mit Klimaschutz, Energiewende und der Endlichkeit fossiler Ressourcen begründete Prozess wird das Leben in der Region verändern. Betroffen sind Arbeitsplätze und Wirtschaftsstrukturen ebenso wie Vorstellungen vom richtigen Leben im (post-)fossilen Zeitalter. Wirrungen und Herausforderungen der Gegenwart sollen als Chancen begriffen werden, Strukturwandel gilt als Versprechen einer geordneten und nachhaltigen Zukunft.

Dieses Forschungsprojekt untersucht, wie Strukturwandel-Akteure im Mitteldeutschen Revier versuchen Schritt zu halten mit der Suche nach einer post-fossilen Zukunft. Der Begriff Strukturwandel kann dabei als eine Blaupause für Fortschritt und Ordnung verstanden werden. Der Begriff wird geprägt, verhandelt, adaptiert, negiert oder ignoriert auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene; in Parteien, Kommissionen und Interessensgruppen sowie in öffentlichen und medialen Diskursen. Zwischen Februar 2020 und August 2021 habe ich ethnografisch erforscht, wie Akteure aus Politik, der Kohleindustrie, dem Verwaltungsapparat und der Zivilgesellschaft versuchen die Rolle von Betroffenen, Interessensmittlern, Experten, scheinbar unpolitischen oder gewöhnlichen Bürgern einzunehmen. Ich habe Strukturwandel dabei als parallelen Prozess von Abwicklung und Erneuerung wahrgenommen. Die Abwicklung der fossilen Energielandschaft soll gleichzeitig zum Aufbau einer Modellregion für nachhaltiges Wachstum führen. An dieser Stelle übersetzt sich der globale Zustand Anthropozän in lokale Wirklichkeiten. Diese Übersetzung provoziert Hoffnungen, Sehnsüchte, Skepsis, Ablehnung und Gleichgültigkeit.

Auf theoretischer Ebene begegne ich meinem Forschungsfeld mit dem Konzept der Leerstelle (gap). Der Strukturwandel-Prozess im Mitteldeutschen Revier, so meine Erkenntnis, setzt sich aus diversen Leerstellen zusammen: Manchmal erfüllen sich die Versprechen von Erneuerung nicht. Manche Akteure können nicht Schritt halten mit den Definitionen vom guten Leben. Manchmal scheint die Gegenwart gefangen zwischen einem nicht mehr und noch nicht. Mit diesem Forschungsprojekt versuche ich die emischen Erfahrungen der Leerstelle in ein Werkzeug für ethnologische Wissensproduktion zu übersetzen. Ich suche Antworten auf die Fragen: Wie wird die post-fossile Gesellschaft gemacht, und wer kann daran teilhaben? Welche moralischen Überzeugungen verlangt der Prozess der Energiewende? Wie halten Menschen im Mitteldeutschen Revier Schritt mit diesen moralischen Grundsätzen? Wie beeinflusst der Kohleausstieg zeitliche Orientierungen im Revier?

MA-Forschung (2016 - 2019)
Der Wandel von Belfast als Herausforderung für den nordirischen Unionismus

Wandbild in Ost-Belfast

Wandbild in Ost-Belfast

Wandbild in Ost-Belfast

Keywords: Britisch-Protestantischer Unionismus, Friedensprozess, Nordirlandkonflikt, urbaner Wandel

Belfast als Hauptstadt des Nordirlandkonflikts, diese Zeiten sind vorbei. Heute, mehr als zwanzig Jahre nach dem Abschluss des Karfreitagsabkommens, ist Belfast vom Wandel begriffen: Während die tiefe Polarisierung zwischen protestantischen und katholischen Stadtbewohnern anhält, lockt Belfast gleichwohl Touristen und internationale Investoren an. Belfast, einst eine Stadt im Konflikt, will sich das Image einer befriedeten Stadt erarbeiten. In diesem ethnologischen Forschungsprojekt wird der Wandel von Belfast aus der Perspektive der hiesigen Gemeinde der britisch-protestantischen Unionisten untersucht. Kann es gelingen, Elemente unionistischer Identität und Kultur, welche oft mit Konflikt und Streit assoziiert werden, in eine vielversprechende Ware des neuen Belfasts zu verwandeln? Oder erweisen sich die negativen Einstellungen gegenüber dem Friedensprozess als Last, droht der Unionismus somit, den Anschluss an den urbanen Wandel zu verlieren?

In vier Kapitel werden die Entwicklungen, Spannungen und Hoffnungen aus vier Stadträumen porträtiert: Das Stadtzentrum als Bühne des neuen Belfasts, die protestantische Shankill Road als Repräsentant der polarisierten Stadt, die proletarische und den Wandel ablehnende Enklave Sandy Row, sowie Ost-Belfast, wo protestantisches Kulturerbe neu entdeckt wird. In allen Vierteln spiegeln sich verschiedene Taktiken – manche sehen Chance, andere äußern Unsicherheit oder drängen auf Isolation. Doch egal wie dem Wandel von Belfast begegnet wird, überall ist der Unionismus auf der Suche nach seinem Platz im neuen Belfast.

Der Unionismus muss den Wandel der Stadt selbst aktiv vorantreiben, will er nicht zurückgelassen werden. Doch gleichzeitig ist die protestantisch-britische Gemeinschaft auch darauf angewiesen, dass ihr Zugang zum neuen Belfast gewährt wird. In vielerlei Hinsicht gilt, dass der an sich konservative Unionismus sich neu erfinden muss. Der Wandel von Belfast ist die Chance aber auch die Notwendigkeit, genau das zu tun.

Zum Seitenanfang